Verschlagwortet: Erinnerungskultur

KZ-Gedenkstätte als Viehweide

Von den Häftlingen wurde schwerste körperliche Arbeit gefordert, während sie unter unmenschlichen Bedingungen in einem Pferdestall untergebracht waren. Zwischen 1941 und 1943 kam es zudem zu mehreren Morden an den Zwangsarbeitenden. ->

Ein bemerkenswertes Beispiel fragwürdigen Umgangs mit einer KZ-Gedenkstätte liefert die Stadt Radolfzell am Bodensee. Hier gibt es eine Gedenkstätte für ein Außenlager des KZ Dachau. Die Verwaltung lässt Teile der Fläche als Viehweide nutzen, angeblich damit das Gelände nicht verwildert.

Bemerkenswert ist diese Begründung vor allem unter Berücksichtigung eines noch immer vorhandenen NS-Ehrenmals (wenn auch ohne den ursprünglichen Schriftzug) und Gedenktafeln, die ohne Differenzierung „der Opfer der Gewaltherrschaft und der Toten aller Kriege“ gedenken.

(Frag den Staat)

#histoPOD: Commemorating the Holocaust

Die bpb hat einen Histo-Podcast gestartet, die ersten zwei Folgen beschäftigen sich mit dem Holocaust:

#histoPOD Folge 1: Commemorating the Holocaust – Israel. Gespräch zwischen der Journalisten Annika Brockschmidt mit Dr. Yael Granot-Bein, Direktor des Weiss-Livnat International MA Program in Holocaust Studies der Universität Haifa u.a. über die Frage, wie sich das Gedenken an den Holocaust in Israel im Laufe der Zeit verändert hat. (Englisch, ca. 30 Minuten)

#histoPOD Folge 2: Commemorating the Holocaust – Japan. Gespräch zwischen Annika Brockschmidt und Fumiko Ishioka, Direktorin des Tokyo Holocaust Education Resource Center., u.a. über die Frage, warum die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg vielschichtig ist und warum es in Japan keine einheitliche Erzählung dazu gibt. (Englisch ca. 30 Minuten)

Ich habe beide Folgen noch nicht gehört, klingt aber interessent. Nur einen Feed habe ich nicht gefunden, was das ganze zur Ansammlung von Audio-Dateien macht.

Kein Schlussstrich!

Ergänzend zu gestern ein Kommentar von Frank Bräutigam zum Urteil gegen einen SS-Wachtmann im KZ Stutthof in der letzten Woche:

Zwei Jahre auf Bewährung. Er muss im hohen Alter nicht mehr ins Gefängnis. Aber die Opfer des Holocaust und ihre Hinterbliebenen haben einen Anspruch darauf, dass die Justiz heute keinen Schlussstrich zieht und ermittelt, solange es geht. Für diese Ermittlungen ist die Zentrale Stelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg ein sehr wichtiger Akteur. Mord und Beihilfe zum Mord verjähren nicht.

Frank Bräutigam: Kein Schlussstrich! tagesschau.de vom 23.07.2020

Why still remember?

Schon älter, aber immernoch aktuell:

gnaddrig erklärt, warum „irgendwann muss mal Schluss sein, wir tragen keine Schuld!“ in Bezug auf den Holocaust Unsinn ist und Gedenken und Aufarbeitung weiterhin wichtige Themen sind:

Es ist nicht Schluss, und es wird in absehbarer Zeit auch nicht Schluss sein mit den alten Geschichten. Und wann Schluss ist, haben nicht wir zu entscheiden. Wir können kein Ende verlangen, höchstens auf Vergebung hoffen, wobei Vergeben nicht gleich Vergessen ist.

gnaddrig: „Irgendwann muss doch mal Schluss sein!“ (21.04.2013)